Erinnerung an Clara Weiß

(Fotos sind nur zur privaten Verwendung freigegeben, © Marcus Beer)     

                             

Clara Weiß

Bachstraße 1


Die Familie Weiß, aus der Clara Weiß stammt, gehörte zu den alteingesessenen, weit verzweigten Hechtsheimer jüdischen Familien. In dem während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geführten Bürger-Register von Hechtsheim findet sich ein früher Hinweis auf den 1767 geborenen Marx Weiß. Er war Handelsmann und verheiratet mit Sara Nathan. Eines ihrer Kinder, der 1802 geborene Sohn Joseph, Handelsmann und später Metzger von Beruf, heiratete die sechs Jahre jüngere Jeanette (Johannette) Beringer aus Bodenheim und wohnte mit ihr in der Heuerstraße – damals noch Heuergasse genannt. Im Laufe von zwei Jahrzehnten erblickten 16 Kinder das Licht der Welt, von denen viele im frühen Kindesalter starben. Die zu Beginn der 1840er Jahre gegründete jüdische Gemeinde in Hechtsheim wählte Joseph Weiß 1843 zu ihrem Vorsteher, er übte dieses Amt 20 Jahre lang aus und starb 1868.

    
Abraham Weiß, 1838 geborener Sohn der Eheleute, wurde Viehhändler und heiratete die 1841 in Waldhilbersheim (heute Guldental/Verbandsgemeinde Langenlonsheim) geborene Elisabetha (Elise) Simon. Das Ehepaar hatte acht Kinder. Abraham Weiß verstarb 1917, seine Frau 1933. Beide ruhen auf dem jüdischen Friedhof in Hechtsheim, ebenso ihr 1933 verstorbener Sohn Moritz Maximilian. Auch Abraham Weiß hatte sich in den 1870er Jahren im Vorstand der jüdischen Gemeinde engagiert.

                            

Abraham und Elise Weiß‘ drittes Kind und zugleich die älteste Tochter war die am 31.Oktober 1872 geborene Clara. Die Eltern wohnten in der Bachgasse 1 (heute Bachstraße), dem Stammhaus der Familie Weiß. Clara war eine ältere Schwester von Julius Weiß (siehe Stolperstein-Erinnerungsblatt für Julius und Elisabeth Weiß). Über Claras Leben ist wenig bekannt. Da sie unverheiratet blieb, wird sie in Haushalt und Geschäft der Familie mitgearbeitet und wahrscheinlich auch Sorge für die jüngeren Geschwister getragen haben. Wie Claras zehn Jahre jüngere Schwester Hermine Schwartz, die mit ihrem Mann in die USA emigrieren konnte, nach dem Krieg bekundet hat, pflegte Clara Weiß nicht nur viele Jahre
aufopferungsvoll ihre Mutter, die im Oktober 1933 mit 92 Jahren hochbetagt starb, sondern auch ihren erkrankten jüngeren Bruder Moritz Maximilian, dessen Leben einen Monat zuvor, im September 1933, im Mainzer Städtischen Krankenhaus mit 55 Jahren endete.

                 

Clara blieb danach allein im von der Mutter geerbten Haus. Aus Verwurzelung mit der Heimat, so ihre Schwester Hermine später, konnte sie sich nicht entschließen, auszuwandern. Als ältere, alleinstehende Frau dürfte sie zahlreichen Demütigungen und Schikanen durch die örtlichen Nazis ausgesetzt gewesen sein, die ihr schwer zu schaffen machten. Im Dezember 1937, unter dem zunehmenden Terror, meldete sie sich in Hechtsheim ab und zog nach Mainz in das jüdische Altersheim in der Gonsenheimer Straße 11-13. Das Haus in der Bachgasse 1 musste sie 1938 verkaufen. 
                                            

Zusammen mit den anderen Bewohnern des Altersheims, einem zu jenem Zeitpunkt aufgrund der Einweisungen durch die NS-Machthaber völlig überbelegten Haus, wurde Clara Weiß am 27. September 1942 über Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Auf der Deportationsliste mit 1.288 zumeist älteren und kranken Menschen aus dem Gebiet des vormaligen Volksstaates Hessen trug sie (hier mit der Vornamensschreibung „Klara“) die Nr.
815. Am 4. Februar 1943 starb Clara Weiß im Alter von 70 Jahren an den elenden Bedingungen und dem Hunger des Theresienstädter Ghettos.

                                 

Quelle: Verein Hechtsheimer Ortsgeschichte, Bearb. Frau Renate Knigge-Tesche.

           

Bilder: © Marcus Beer

           

             

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Ich bin das Seitenende und soll den Balken unter mir festhalten.

 

 

 

 

 

    

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