ehemalige Synagoge Hechtsheim

(Fotos sind nur zur privaten Verwendung freigegeben, © Marcus Beer)     

       

   

Zur ehemaligen Hechtsheimer Synagoge

           

Zu Beginn der 1840er Jahre fanden sich die in Hechtsheim lebenden Juden zur Bildung einer selbstständigen Gemeinde zusammen. Sie hatten bis dahin zur jüdischen Gemeinde Weisenau gehört, der alten großen Nachbargemeinde am Rhein, erklärten jedoch nun, von dieser unabhängig sein zu wollen. Nach dem Ergebnis einer Umfrage vom 15. März 1842 des Großherzoglich Hessischen Kreisrats für den Landbezirk des Kreises Mainz "an sämtliche Großherzoglichen Bürgermeister, in deren Gemeinden sich Israeliten befinden" hatten die Hechtsheimer Juden zwar eine Synagoge, die sich jedoch nicht in einem besonderen Gebäude, sondern in einem Privathaus befand. Eine Adresse ist nicht überliefert. Dies ist im Übrigen üblich für eine kleine Landgemeinde. Die Juden trafen sich zum Gottesdienst, sofern sich genügend Personen entsprechend den religiösen Vorschriften einfanden, auch in Privathäusern zu religiösen Handlungen. Dazu bedurfte es keines besonderen Gebäudes. Zudem hatten diese kleinen Gemeinden anfänglich oft gar nicht Geld, um sich Häuser zu kaufen oder zu bauen, die nur als Synagoge dienten. Hechtsheim war insgesamt in dieser Zeit eher ein armes Dorf.   

Die formale Gründung der jüdischen Gemeinde Hechtsheim fand Mitte 1842 statt, nachdem zwischen den Hechtsheimer Juden, dem Großherzoglich Hessischen Kreisrat und der Hechtsheimer Bürgermeisterei geklärt war, dass die Juden die für eine Kultusgemeinde nötigen Voraussetzungen erfüllt.

Seit dem Jahr 1844 war die jüdische Gemeinde Hechtsheim Eigentümerin eines kleinen Gebäudes, das fortan ausschließlich als Synagoge diente: einer kleinen Hofreite (von Gebäuden umschlossener Hofraum) von 156 qm in Flur I, Nr. 372, wie im Grundbuch sowie im alphabetischen Verzeichnis der Grundbesitzer in der Gemarkung Hechtsheim überliefert ist. Heute ist dies die Synagogenstraße 1. Die Bezeichnung Synagogenstraße erhielt diese Straße erst im Zuge neuer Straßenbenennungen in der Zeit zwischen 1880 und 1890.

Die Synagoge diente den Gottesdiensten, zu denen sich die religionsmündigen männlichen Gemeindemitglieder - dazu gehören auch die Jugendlichen nach ihrer Bar Mitzwa - am Hechtsheimer "Dalles" trafen, der jetzigen Straßengabelung Alte Mainzer Straße / Bürgermeister-Schmitt-Straße und dann hierher gingen. Es wurden Hochzeiten gefeiert, die religiösen Feste des Jahreslaufs und auch der Religionsunterricht der Kinder fand hier statt. Einen eigenen Rabbiner hatte die Hechtsheimer Gemeinde nicht, wohl aber einen Religionslehrer, der zugleich die Aufgabe des Vorbeters und Schochets (ritueller Schächter) war nahm.  

Leider wurden bisher keine Fotos oder Zeichnungen des damaligen Synagogengebäudes gefunden. Auch eine Beschreibung der inneren Ausgestaltung und Einrichtung ist nicht überliefert. Viele Details sind also noch unbekannt. Bekannt ist jedoch, dass die Hechtsheimer jüdische Gemeinde im Dezember 1925 eine Tafel in der Synagoge enthüllte zum Gedenken an die während des Ersten Weltkriegs gefallenen Söhne ihrer Gemeinde. Der Mainzer Rabbiner Dr. Sali Levi „hielt eine ergreifende Weiherede, welche von Psalmvorträgen des Lehrers Kahn umrahmt waren“, wie der damaligen Presse zu entnehmen ist. Diese Tafel ist nicht erhalten.

           

           

Nach der Pogromnacht des 9./10. November 1938 mussten die letzten noch in Hechtsheim wohnenden Juden, deren Häuser demoliert worden waren, den Ort notgedrungen verlassen. Das Synagogengebäude war in der Pogromnacht ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, aber nicht zerstört worden, weil im Haus inzwischen ein christlicher Mieter wohnte. Die Gemeinde war unter der Nazi-Herrschaft durch Wegzug und Flucht zu klein geworden, um die Synagoge noch in vollem Umfang selbst nutzen zu können. Im Detail und bürokratisch aber listete der damalige Hechtsheimer Nazi-Bürgermeister Adam Steffan die Gegenstände auf, die aus der Synagoge geraubt und an die Geheime Staatspolizei, Außenstelle Mainz, abgeliefert wurden.

 

Im Dezember 1938 wurde ein notarieller Vertrag zum Verkauf des Gebäudes an ein nicht jüdisches Ehepaar gefertigt. Seitens der jüdischen Gemeinde unterzeichnete der letzte Gemeindevorsteher Julius Weiß sowie Berthold Selig als Mitglied des Gemeindevorstandes. Beide wurden 1942 deportiert und ermordet.

          

Am oberen Born 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grauelstraße 19

                     

    

 

 

   

   

   

   

   

   

   

       

Der Kaufvertrag stieß jedoch auf Ablehnung des NS-"Reichsstatthalters" in Darmstadt, des glühenden Antisemiten Jakob Sprenger. 1939 bot die Gemeinde daher an, das Haus zur Behebung der Wohnungsnot zwecks Vermietung zu erwerben. Offensichtlich geschah dies jedoch nicht und das Gebäude blieb zunächst wie zuvor vermietet. Nach 1945 ging das Haus in Privatbesitz über.

             

Quelle: Verein Hechtsheimer Ortsgeschichte, Bearb. Frau Renate Knigge-Tesche.

           

Bilder: © Marcus Beer

        

Weitere Informationen und die Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet ( Anzeigen 1863 - 1907 ) 

findet Ihr hier:

http://www.alemannia-judaica.de/hechtsheim_synagoge.htm

                  

             

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